Freitag, 26. November 2010

Gedanken

Freunde unterhielten sich vor kurzem darüber wie toll doch die Erfindung des Internets, Handys etc. sei. Vorweg geschickt: es gibt mit Sicherheit Momente, da möchte ich all das auch nicht missen, aber ich hab da so meine eigenen Ansichten:

"Der PC ist der Beginn des papierlosen Büros" - Komisch nur, dass jeden Tag Kartons von Drucker-und Kopierpapier herangeschafft werden.

"Das Handy ist heutzutage nicht mehr wegzudenken. Ich bin rund um die Uhr erreichbar"- Schön, aber will ich das denn? Muß der Versicherungsmakler grundsätzlich gegen 20 Uhr anrufen und der Anwalt womöglich um 22 Uhr 30 Uhr (und sich dann ernsthaft wundern, dass ich schon im Bett liege)? Mein Handy ist meist stumm geschaltet und ich lebe vorzüglich damit und sitze ich beim Friseur und es ist nicht gerade eines der Kinder dran, habe ich keine Probleme damit, die Mailbox ihren Dienst machen zu lassen. Schließlich kann man mit dem Telefon ja nicht nur angerufen werden sondern tatsächlich auch zurückrufen *g. Ich würde nie auf die Idee kommen, während eines Beratungsgespräches in einer Behörde ans Handy zu gehen und mit meinem Mann die Einkaufsliste durchzugehen, während der Sachbearbeiter darauf wartet, weitermachen zu können.
"Durch die schnellen Kommunkationsmöglichkeiten, kann man seine Freundschaften u.ä. intensivieren" - Kann ich das? Oder intensiviere ich eine Freundschaft nicht viel mehr dadurch, dass ich jemandem beim Reden in die Augen schaue, ihn in den Arm nehme und tröste, wenn er traurig ist, mit ihm vor Lachen fast vom Sofa rutsche oder einfach mal still neben ihm sitze.
Ganz abgesehen davon, dass ich durch das viele Schreiben noch mehr am PC sitze und noch weniger Zeit für's real life habe.

"Ich kann meine Bücher... online bestellen" - Sicherlich praktisch. Mache ich auch, aber gibt es etwas schöneres als in einen gut sortierten Buchladen zu gehen und dort stundenlang zu stöbern? Ich mag die Atmosphäre, den Geruch, amüsiere mich, wenn die Buchhändlerin mir ein Buch empfiehlt und dabei so über die Geschichte ins Schwärmen gerät, das am Ende noch drei andere Kunden gebannt zuhören.

"Wie, du hast die Mail von gestern abend noch nicht gelesen und beantwortet?" - Nein, stellt euch vor, das hab ich nicht und ich lebe noch. Ich habe zwei Tage nicht am PC gesessen sondern stattdessen die frische Winterluft geschnuppert, die freie Zeit genossen, mit einer Freundin spontan eine Tasse Kaffee getrunken -so richtig von Angesicht zu Angesicht- und nicht zuletzt ein Buch in einer Buchhandlung gekauft, dass ich im Internet nie gesehen hätte. Ich habe ein Paar Socken gestrickt, die mir grade die kalten Füße wärmen und freue mich, dass ich mir durch mein Verhalten einen Luxus gönne, der eigentlich keiner ist, aber um den mich alle beneiden.

Kommentare:

  1. Dein Post hat mich ins grübeln gebracht - leider ist es heute schon Luxus geworden wenn man den Luxus der heutigen Zeit eine Weile vergessen kann - sprich das Handy einmal abschaltet und den PC zwei Tage nicht einschaltet.
    Manchmal kann man durch solche kleinen "Auszeiten" die Hektik etwas rausnehmen - und diesen Luxus sollte man sich von Zeit zu Zeit gönnen.

    LG nima

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  2. Liebe Sabine, Du sprichst mir aus dem Herzen und genau auch dieses mache ich und gönne ich mir.Das Leben findet draussen statt und deshalb fahre ich jetzt gleich zum Bücherflohmarkt in die City. Ich wünsche Dir einen schönen ersten Advent ...alles Liebe von Margit

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  3. tja Sabine, du sprichst was aus, was manche sich nicht zu sagen trauen... ich will nicht immer erreichbar sein, ich bin nicht ständig online und ich kommuniziere auch lieber "Aug in Auge ".....

    eine besinnlichen Advent wünscht dir Lisabeth

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  4. Hi, ihr Lieben, Danke für eure Kommentare. Scheint ja doch wohl ein Thema zu sein, das nicht nur mich alleine angesprochen hat ;-)Ich wünsch euch allen auch eine schöne und vor allem besinnliche Adventszeit.

    Liebe Grüße an alle meine Leser

    Sabine

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  5. Liebe Fee, ich kann deine Worte nur dick unterstreichen. Auch mir gehts so, dass ich das Internet und Handy nicht missen möchte, aber alles mit Maß und Ziel, der Rest vom Leben darf nicht zu kurz kommen.

    LG Britta

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  6. Liebe Sabine,
    Ich kann dir nur zustimmen - Internet schätze ich auch sehr; aber ich sehe auch die Grenzen und Lasten, die es auflegen kann. Mein Handy ist für den Notfall da und meistens aus.Fürs Telefonieren gibt es zeitliche Grenzen und das signalisiere ich dann auch.
    Statt Kopieren benutze ich in der Schule auch das Buch, die Tafel und den Stift in der Hand der Schüler.... auch wenn es altmodisch scheint: Hirn, Herz und Hand.
    Und auch komme gerade aus dem Winterwelt und das war einfach toll. Und jetzt muss ich leider noch ein bisschen arbeiten... korrigieren... ganz von Hand...
    Liebe Grüße und einen schönen, freien Adventssonntag
    Ingrid

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  7. ja, ja, wie wahr, wie wahr, diese Woche war ein MAnn von der GEZ bei mir, er meinte, es gäbe gar niemanden ohne Fernseher oder Radio mehr, Pech, hab ich gesagt, ich besitze weder das eine noch das andere, nicht mal im Auto....na, er hat es nicht geglaubt, er wird das prüfen???? Hallo....
    ja, den Lapi benutze ich schon beruflich und ein Handy hab ich auch, aber wenn ich einkaufen gehe liegt es meist zu Hause, vergessen, na und...
    schön hast du das geschrieben, früher war man näher dran am anderen, ich hab noch mit meiner Oma gesungen...wer macht das heute noch...ohne Karaoke....grins

    liebe Grüße
    Tina

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